19.06. Von Portomarín nach Ligonde 16km

Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de SantiagoHallo Freunde,

wer aufgepasst hat, dem fällt auf, der Beitrag zum 18.06. fehlt. Richtig. Ich verbuche den 18. als nicht stattgefundenen Tag. Als ich in der schönen Herberge in Portomarín angekommen war, ahnte ich noch nichts Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagovon dem Horror, der mich erwartete. Ich hatte mir an dem 17. eine Erkältung eingefangen. Das Wetter wechselte an diesem Tag ständig. Im Schatten war es eisig kalt und in der Sonne begann man augenblicklich zu schwitzen. Da der Weg immer wieder von Bäumen beschattet wurde, ergab sich ein ständiger Wechsel zwischen Sonne und Schatten. Das hat mir wohl den Rest gegeben. Anfällig war ich aber vor allem, weil ich mir einfach keine Pause gönnen wollte. Dummheit wird halt bestraft. Soweit hatte ich ja schon berichtet. Dann in der Herberge angekommen wähnte ich mich sicher und glaubte wohltuende Ruhe zu finden.

Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de SantiagoDie Unterkunft erlebte dann aber den Einzug spanischer Heerschaaren in Form von einer riesigen Schulklasse von ca. 60 jungen Menschen samt ihrer 3 Aufpasser/ Lehrer. Egal wo man sich hin verkroch war es ohrenbetäubend laut. Da mir durch die Erkältung ohnehin schon der Kopf dröhnte war das nicht leicht zu verkraften. Ich hoffte auf die Nachtruhe, aber vergebens. Die jungen Leute welche ich auf 12 bis 16 Jahre schätze, waren nicht ruhig zu bekommen. Auch als 23 Uhr das Licht ausgeschalten wurde ging es fröhlich munter weiter mit den Unterhaltungen. Die sich in Minderzahl befindlichen Pilger versuchten abwechselnd Ruhe zu schaffen. Sie schschsch-ten immer wieder. Die Lehrkräfte schien es gar nicht zu interessieren. Auch die Pilger, welche lauter wurden, blieben erfolglos. Schreien konnte ich leider nicht, nicht einmal mehr sprechen. Da meine Fäuste noch funktionierten konnte ich wenigstens im Bett über mir, mit zwei gezielten Schlägen gegen die Lattung, Ruhe schaffen. Die Unruhe dauerte bis halb eins an, dann gelang es mir erstmals zu schlafen. Fieber geschüttelt durchwanderte ich 4 Stunden, bis die Ersten wieder aufstanden. Ich war nicht in der Lage aufzustehen und wollte auch Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagonicht ins Bad traben, während ich von derartig vielen Menschen umgeben war. Ich hoffte einfach, sie würden irgendwann fertig sein und gehen. Es dauerte von halb 6 bis kurz nach 8 Uhr. Laut singend, klatschend und lachend schallte es durch den Schlafsaal. Ein paar Pilger standen wohl kurz vor ihrem ersten Mord. Ich benötigte keinen Spiegel um zu wissen, wie ich wohl aussah, denn in den Gesichtern meiner Mitpilger konnte ich genug lesen. Gesundheitlich hat es wohl auch einige erwischt.

Als der spanische Pulk abgezogen war machte ich mich soweit fertig wie es ging und kam in die Gemeinschaftsküche. Ich freute mich auf den zurückgelegten Zucker, in Form einer kalten Cola, doch diese war verschwunden. So oft habe ich in den Herbergen etwas in den Kühlschrank gelegt und keiner hat einen Finger daran gerührt. Die Pilger respektieren den Besitz des Anderen. Naja, meine Cola hatte jedenfalls einen spontanen Anfall von Nichtvorhandensein bekommen. Das kleine Strickchen, welches meine Geduld an diesem Morgen darstellte riss. Ich denke die Dame welche Frühdienst hatte, verfluchte ihre Englischkenntnisse. Ohne viel Aufregens bekam ich eine neue Cola. Ich fragte ob dieser Zustand normal sei und sie versicherte mir, es kämen nur selten solche Gruppen. Einige Pilger hatten sich beschwert und wollten sogar ihr Geld wieder haben, wie ich erfuhr.

Ich möchte mich hier nachträglich bei allen älteren Menschen entschuldigen, welche ich vielleicht gequält habe, als ich mit meiner Schulklasse in den Jugendherbergen zu Besuch war. Da merkt man echt, dass man älter wird und manche Dinge anders sieht als damals.

Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de SantiagoAm Morgen des 18. schleifte ich dann meinen völlig übermüdeten Körper zur nächsten Pension im Ort. Man sah mir meinen Zustand wohl an und der Pensionsleiter versprach mir das erste freie und saubere Zimmer. Halb zwölf war es dann soweit. Ich viel ins Bett und fieberte vor mich hin. Der Tagesbericht Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagofür den 18. ist also ausgefallen, da es weder schöne Bilder gegeben hätte noch wäre es sehr interessant gewesen, denn ihr ward ja alle schon mal krank und wisst wie das ist. Mein Schatz sagt immer: “Wer oft krank wird, hat ein gutes Immunsystem.” Scheint zu stimmen. Jedenfalls war ich heute wieder fit genug um ein paar Kilometer zu gehen. Nach so einem Tag schwer zu glauben. Natürlich habe ich keine Höchstleistung vollbracht, aber hey, ich bin nicht bewusstlos geworden und von ner Kuh wachgeleckt worden. Mehr kann man sich ja kaum wünschen.

Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de SantiagoIch wollte nach Ligonde gelangen um dort zu übernachten. Leider fand ich den Ort nicht, da selten ein Ortseingangsschild zu finden ist, bei den kleinen Dörfern. An ein paar Kühen im Gegenverkehr vorbei, kam ich zu einem Häuschen wo nette Leute Kaffee ausschenkten für lau, bzw. gratis. Ich wollte schon weiter, da traf ich auf Kira und Dennis. Sie erzählten mir, sie Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagowürden hier schlafen und dadurch erst bemerkte ich, die anvisierte Herberge befand sich direkt vor mir und ich wäre fast weiter gezogen. Super die Zwei.
So ein freundliches Team machte das Herz warm und die Tage vorher vergessen. Wir wurden eingeladen ein Video über das Leben von Jesus anzuschauen. Da wir drei Deutschen in der Mehrheit unter den vielleicht Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagosechs oder sieben Zuschauern waren, wurde der Film in unserer Sprache gezeigt. Ein eineinhalbstündiges liebevoll gestaltetes Filmchen erwartete uns.
Die Herbergsleitung gab sich alle Mühe, ein richtiges Pilgerprogramm aufzustellen und so kam es schon eine halbe Stunde nach Filmende zum Zusammentreffen aller Pilger um sich Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagoauszutauschen und zusammen zu beten. Ich wohnte dem komplett bei und fand es sehr nett. Es war nicht übertrieben religiös gehalten, wie ich es schon erlebt habe. Die Pilger lasen einen von anderen ehemaligen Übernachtungsgästen verfassten Notizzettel vor. In der verfassten Sprache wurde zuerst vorgelesen, dann ins Englische übersetzt.   Durch die Reise auf dem Jakobsweg, camino francés, camino de Santiagovielen Sprachen bekamen die kurzen Geschichten eine ganz eigene Tiefe. Ich habe es auch schon so erlebt, dass durch ständiges Beten und Singen von christlichen Texten eine Art Wand aufgebaut wird zu denen, die die Texte nicht oder nur wenig kennen und/ oder eine schwierige Beziehung zu Gott haben. Miteinander ins Gespräch zu kommen finde ich sehr wichtig und das Gefühl welches zurück bleibt, ist um Längen besser gewesen, als bei manch anderem Zusammentreffen. Gegen acht gab es dann auch noch Abendessen in Gemeinschaft. Auch wenn es mir nicht gut ging und mein Hunger minimalistisch war,  genoss ich den Abend. Mit Kira und Dennis verstehe ich mich ohnehin prima. Junge und frische Charaktere, die mir zeigen, um die nächste Generation ist es gar nicht so schlecht bestellt. Ich stelle schon fest, es hat sich einiges geändert und dabei liegen zwischen uns gerade mal zehn Jahre. Die Veränderungen kann ich aber nur positiv werten. Ich nehme an, ich werde die beiden in Santiago wiedersehen. Es wurden noch Geschichten ausgetauscht und Erfahrungen in der Runde weiter gegeben. Alles sehr familiär. Der Abend neigte sich dem Ende und eine weitere erholsame Nacht brach an.

Schönen Abend an Euch treuen Leser.

Adios:-)

Karte 19.06.Höhenprofil 19.06.Statistik 19.06.